Warum ein Totschläger straffrei bleibt – und ein Mörder nicht
Mord verjährt sich nicht - das war nicht immer so - Warum ein Totschläger straffrei bleibt – und ein Mörder nicht
Ein aktuelles Urteil in Rheinland-Pfalz hat die rechtlichen Unterschiede zwischen Totschläger und Mord in Deutschland deutlich gemacht. Zwar wurde ein Mann im Fall Lolita Brieger des Totschlägers für schuldig befunden, doch blieb er straffrei, weil die Verjährungsfrist abgelaufen war. Die Entscheidung lenkt den Blick darauf, wie das deutsche Rechtssystem schwere Straftaten je nach Einstufung unterschiedlich behandelt.
In Deutschland wird Mord als vorsätzliche Tötung eines Menschen mit bestimmten Motiven oder Methoden definiert. Anders als beim Totschläger unterliegt Mord keiner Verjährung. Das bedeutet, dass Staatsanwälte einen Fall unabhängig davon verfolgen können, wie viel Zeit seit der Tat vergangen ist.
Diese Unterscheidung erhielt 1979 besondere rechtliche Bedeutung, als der Strafgesetzbuch geändert wurde. Die Reform sollte sicherstellen, dass auch während der NS-Zeit begangene Verbrechen noch geahndet werden konnten, indem die Verjährungsfrist für Mord aufgehoben wurde. Wer des Mordes schuldig gesprochen wird, muss daher zwingend eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßen – mindestens 15 Jahre.
Totschläger hingegen unterliegt weiterhin einer Verjährungsfrist von 20 Jahren. Dies war im Fall Lolita Brieger entscheidend: Obwohl der Angeklagte für schuldig befunden wurde, konnte er nicht bestraft werden. Im Fall Amy Lopez hingegen könnte der Beschuldigte noch Jahrzehnte später vor Gericht stehen – vorausgesetzt, es handelt sich um Mord und nicht um Totschläger.
Das deutsche Rechtssystem trennt weiterhin strikt zwischen Mord und Totschläger. Während Mord unabhängig vom Zeitablauf verfolgt werden kann, müssen Anklagen wegen Totschläger innerhalb von 20 Jahren erhoben werden. Die Reform von 1979 stellt sicher, dass die schwersten Verbrechen stets geahndet werden können. Doch das aktuelle Urteil zeigt, wie entscheidend der Faktor Zeit für die Frage sein kann, ob Gerechtigkeit geschafft wird.
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