Theaterprozess in Berlin: Sollte die AfD verboten werden?

Theo Schmitz
Theo Schmitz
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Eine Zeichnung eines Gerichtssaals mit sitzenden und stehenden Menschen, einem Podium mit Mikrofon auf der rechten Seite, Fenstern auf der linken Seite und Text unten.Theo Schmitz

Theaterprozess in Berlin: Sollte die AfD verboten werden?

Umstrittenes Theaterprojekt Der Prozess gegen Deutschland in Berlin

In Berlin fand kürzlich eine umstrittene Theaterveranstaltung mit dem Titel Der Prozess gegen Deutschland statt. Die unter der Regie des Schweizer Regisseurs Milo Rau stehende Produktion setzte sich mit der Frage auseinander, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte. Einige Teilnehmer zogen sich kurzfristig zurück, nachdem bekannt wurde, dass sie die Bühne mit Vertretern des rechten Lagers teilen würden.

Die Veranstaltung stand unter der Leitung von Herta Däubler-Gmelin, der ehemaligen Bundesjustizministerin Deutschlands. Zu den Teilnehmern zählte auch der erfahrene Kommentator Harald Martenstein, der die Debatte mit seiner Stimme bereicherte.

Milo Rau ist dafür bekannt, Theater als Medium zu nutzen, um politische und gesellschaftliche Themen zu beleuchten. In früheren Projekten inszenierte er Nachstellungen realer Prozesse, oft mit den tatsächlichen Beteiligten statt mit Schauspielern. In Die letzten Tage der Ceaușescus etwa rekonstruierte er den Militärprozess gegen den rumänischen Diktator Nicolae Ceaușescu. Seine Produktion Die Moskauer Prozesse von 2013 setzte Stalins Schauprozesse mit russischen Darstellern in Szene, kritisierte Zensur und führte zu Drohungen gegen die Beteiligten.

Bei den Zürcher Prozessen 2018 wurde ein Schweizer Magazin wegen der Veröffentlichung eines umstrittenen Artikels vor Gericht gestellt, was zu juristischen Auseinandersetzungen mit Politikern führte. Ein weiteres Werk, Das Kongo-Tribunal, thematisierte Kriegsverbrechen in der Demokratischen Republik Kongo. Jedes dieser Projekte verbindet Theater mit realen juristischen und ethischen Fragestellungen.

Im Rahmen von Der Prozess gegen Deutschland kam eine siebenköpfige Jury zu dem Schluss, dass eine offizielle Prüfung eines möglichen AfD-Verbots gerechtfertigt sei. Die Anwesenheit rechtsextremer Akteure in der Diskussion sorgte für Unbehagen und veranlasste einige Teilnehmer zum Rückzug. Dennoch fand die Veranstaltung unter der Moderation Däubler-Gmelins mit einer Mischung aus Rechtsexperten, Kommentatoren und politischen Stimmen statt.

Die Empfehlung der Jury, ein AfD-Verbot zu prüfen, wird nun in juristischen und politischen Kreisen weiter diskutiert. Rau ist es mit seiner Produktion erneut gelungen, durch die Verbindung von Theater und brennenden gesellschaftlichen Themen eine Debatte anzustoßen. Das Format der Veranstaltung – mit echten Personen und echten Konsequenzen – sorgt dafür, dass ihre Wirkung weit über die Bühne hinausreicht.

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