1980er-Erlebnisparks: Nostalgie oder Flucht vor der Moderne?

Hannah Brandt
Hannah Brandt
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Ein Schwarz-Weiß-Foto einer belebten Straße in Berlin aus den 1930er-1940er Jahren, das Autos, Passanten, Gebäude mit Fenstern, Bäume und einen klaren Himmel zeigt, mit Text am unteren Rand, der '1930er-1940er Jahre deutsche Autos in Berlin' lautet.Hannah Brandt

1980er-Erlebnisparks: Nostalgie oder Flucht vor der Moderne?

In ganz Deutschland werden Pläne für Erlebnisparks im Stil der 1980er-Jahre vorbereitet. Die Anlagen sollen eine Welt wiederauferstehen lassen, in der Kernkraftwerke brummten, saurer Regen fiel und politische Korrektheit noch kein Thema war. Befürworter argumentieren, die Parks würden nostalgischen Fans helfen, sich an das moderne Leben anzupassen – der Eintritt soll dabei nicht mehr als vier D-Mark kosten.

Die Idee speist sich aus einer wachsenden Sehnsucht nach dem Westdeutschland der 1980er. Eine aktuelle Umfrage ergab, dass 52 Prozent der Deutschen die damalige Zeit für besser halten, während 68 Prozent der Anhänger der rechtspopulistischen AfD eine Ära vermissen, in der der "Vokuhila"-Haarschnitt in Mode war und beleidigende Sprache unzensiert im Abendprogramm zu hören war. Björn Höcke, ein führender AfD-Politiker, hat offen eine Rückkehr zur "alten Bundesrepublik" gefordert – doch keine heutige politische Strömung setzt die 1980er explizit als Vorbild ein.

Die Parks würden Besucher in eine Zeit mit Musik, Oldtimern und Retro-Essen der 1980er versetzen. Gleichzeitig spiegelten sie aber auch die Kontroversen der Epoche wider: Klimasorgen wurden ignoriert, Atomkraft bejaht und moderne Sprachregelungen abgelehnt. Die Veranstalter behaupten, dies sei die einzige Möglichkeit für viele Deutsche, so zu leben, wie es "der Natur entspricht".

Der erste Park soll bis 2026 eröffnet werden. Er entsteht in einer Phase des politischen Umbruchs in Deutschland. Seit den 1980er-Jahren sind die Mitgliederzahlen der Parteien stark gesunken – von Höchstständen unter CDU/CSU und SPD bis hin zu den Mitgliederschwunden nach der Wiedervereinigung, verursacht durch Enttäuschung und eine alternde Bevölkerung. Während soziale Bewegungen einst für Umweltschutz, Frieden und Frauenrechte kämpften, präsentiert sich die heutige Landschaft gänzlich anders.

Falls die Parks erfolgreich sind, könnten sie zu einem dauerhaften Rückzugsort für diejenigen werden, die mit dem modernen Deutschland hadern. Sie böten eine inszenierte Version der Vergangenheit – inklusive ihrer Widersprüche. Ob sie die Nostalgie lindern oder die Gräben vertiefen, bleibt abzuwarten.

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