Berlin bestraft Unternehmen ohne Lehrstellen – neue Ausbildungsabgabe kommt 2028
Hannah BrandtBerlin bestraft Unternehmen ohne Lehrstellen – neue Ausbildungsabgabe kommt 2028
Berlin führt Ausbildungsabgabe ein – Unternehmen ohne ausreichende Lehrstellen werden bestraft
Berlin hat eine neue Ausbildungsabgabe eingeführt, die Unternehmen belasten soll, die zu wenige Lehrstellen anbieten. Das im März 2026 beschlossene Gesetz richtet sich an Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten, die eine Ausbildungsquote von 4,6 Prozent nicht erfüllen. Kritiker werfen der Regelung vor, sie belaste vor allem Startups ungerecht und ignoriere die Realitäten des modernen Arbeitsmarktes.
Der Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses erfolgte, nachdem die Stadt ihr Ziel verfehlt hatte, bis Ende 2025 zusätzlich 2.000 Lehrstellen zu schaffen. Stattdessen wurden nur rund 1.300 Plätze besetzt – ein Grund für die Einführung der neuen Abgabe. Ab 2028 müssen nicht konforme Unternehmen in einen Fonds einzahlen, aus dem jährlich etwa 75 Millionen Euro erwartet werden.
Moritz Kreppel, Gründer von Urban Sports Club, kritisiert, die Abgabe bestrafe Startups für Stellen, die sich nicht für klassische Ausbildungsmodelle eigneten. Marius Meiners von Peec AI pflichtet ihm bei und hält Lehrstellen für sein spezialisiertes Unternehmen für unpraktikabel. Er ziehe es vor, die Abgabe zu zahlen, statt ein ungeeignetes Ausbildungskonzept umzusetzen.
Ralph Hage, Gründer von Lap Coffee, bezeichnet das Gesetz als "noch ein falsches Signal" aus Berlin. Sein Unternehmen setze auf Automatisierung und modernes Lernen statt auf traditionelle Ausbildung. Agnieszka Walorska vom Fintech-Unternehmen Mika sieht das eigentliche Problem darin, dass junge Menschen zunehmend weniger Interesse an klassischen Ausbildungen hätten – und nicht darin, dass Unternehmen keine anbieten würden.
Betroffen sind Betriebe mit mindestens zehn Mitarbeitenden, deren Ausbildungsquote unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Sie müssen nun entscheiden, ob sie ihre Einstellungspraxis anpassen oder finanziell beitragen. Zwar soll die Abgabe die Ausbildung fördern, doch stößt sie bei Startups und technologieorientierten Firmen auf Widerstand.






