Sachsen-Anhalt kämpft mit Niedriglöhnen und schwindender Kontrolle der Arbeitsbedingungen
Greta KochSachsen-Anhalt kämpft mit Niedriglöhnen und schwindender Kontrolle der Arbeitsbedingungen
Niedriglöhne und nachlassende Kontrollen werden in Sachsen-Anhalt zu drängenden Problemen. Fast ein Viertel aller Beschäftigten in der Region verdient weniger als 15 Euro pro Stunde, während Betriebsprüfungen stark zurückgegangen sind. Mit einer geplanten Lohnerhöhung im Jahr 2027 dürften die Debatten über faire Bezahlung und bessere Überwachung weiter an Fahrt aufnehmen.
Der gesetzliche Mindestlohn in Sachsen-Anhalt liegt derzeit bei 13,90 Euro pro Stunde. Bis 2027 soll er auf 14,60 Euro steigen. Dennoch verdienen rund 195.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiterhin weniger als die angestrebten 15 Euro.
Besonders niedrig sind die Löhne in nicht tarifgebundenen Betrieben. Hier erhalten 35 Prozent der Beschäftigten weniger als 15 Euro pro Stunde – im Vergleich zu 23,3 Prozent im gesamten Arbeitsmarkt. Die Kluft unterstreicht die anhaltenden Bedenken hinsichtlich gerechter Bezahlung in Branchen mit schwächerer Arbeitnehmervertretung.
Die Durchsetzung von Arbeitsvorschriften hat deutlich nachgelassen. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) führte 2022 noch 1.598 Arbeitgeberprüfungen durch. Bis 2025 sank diese Zahl auf nur noch 691 – weniger als die Hälfte des vorherigen Niveaus. Insgesamt liegt die Kontrolldichte mittlerweile bei nur noch 42,4 Prozent im Vergleich zu vor drei Jahren.
Auch Betriebsprüfungen sind zur Seltenheit geworden. Statistisch gesehen muss ein Unternehmen in Sachsen-Anhalt alle 90 Jahre mit einer Zollkontrolle rechnen. Bei Landwirtschaftsbetrieben dauert es noch länger: Hier findet eine Überprüfung im Schnitt nur alle 234 Jahre statt. Der Rückgang der Kontrollen fällt zusammen mit einem Rückgang der gemeldeten Betriebe – von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025.
Die Kombination aus stagnierenden Löhnen und schwächerer Aufsicht setzt Sachsen-Anhalt zunehmend unter Druck. Mit der anstehenden Lohnerhöhung 2027 werden die Forderungen nach strengeren Kontrollen und fairer Bezahlung voraussichtlich lauter. Die Region steht nun vor der Herausforderung, wirtschaftliche Zwänge mit verbesserten Arbeitsstandards in Einklang zu bringen.






