Rentenreform: Streit um Gebührenobergrenze von 1,5 Prozent entbrannt
Anna SchmittRentenreform: Streit um Gebührenobergrenze von 1,5 Prozent entbrannt
Pläne zur Reform des deutschen privaten Rentensystems haben eine hitzige Debatte ausgelöst. Der umstrittenste Vorschlag ist eine Obergrenze von 1,5 Prozent jährlicher Gebühren auf Ersparnisse, die Kritiker als weiterhin zu hoch bewerten. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat signalisiert, dass er bereit ist, Gebührenobergrenzen in die anstehende Rentenreform aufzunehmen.
Das aktuelle Riester-Renten-Modell hat in den vergangenen fünf Jahren bescheidene Renditen von durchschnittlich 2 bis 3 Prozent pro Jahr nach Abzug der Gebühren erwirtschaftet. Sparer zahlen typischerweise 1 bis 1,5 Prozent an Verwaltungskosten – deutlich mehr als bei ETF-basierten Alternativen, die mit 0,2 bis 0,5 Prozent zu Buche schlagen. Allerdings bietet der Riester-Vertrag staatliche Zuschüsse von bis zu 300 Euro pro Jahr, was die Kosten für Gering- und Mittelverdiener abfedert.
Kernstück der Reform ist ein neues, standardisiertes Altersvorsorgeprodukt, das teilweise mit öffentlichen Mitteln finanziert wird. Ziel ist es, höhere Marktrenditen als das bestehende Riester-Modell zu erzielen. Doch der vorgeschlagene Gebührendeckel von 1,5 Prozent stößt auf Widerstand: Verbraucherschützer und Teile der SPD fordern eine noch strengere Obergrenze. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip, hält eine Begrenzung auf 0,5 Prozent für angemessener.
Befürworter schärferer Regelungen argumentieren, dass niedrigere Gebühren den Wettbewerb unter den Anbietern anheizen könnten. Der CSU-Finanzpolitiker Florian Dorn ist überzeugt, dass dies Unternehmen dazu bringen würde, bessere Konditionen anzubieten. Im Mittelpunkt der Diskussion steht nun, ob die Reform den richtigen Ausgleich zwischen Bezahlbarkeit und marktwirtschaftlichen Anreizen findet.
Die Reform zielt darauf ab, das schwächelnde Riester-System durch eine kostengünstigere Alternative zu ersetzen. Sollte der Plan verabschiedet werden, würde das neue Rentenkonto staatliche Förderung mit strengeren Gebührenkontrollen verbinden. Die endgültige Entscheidung über die Höhe der Gebührenobergrenzen wird maßgeblich darüber entscheiden, wie wettbewerbsfähig und zugänglich das neue Modell für Sparer wird.