Gericht stoppt Spiegel-Bericht zu Christian Ulmen und Deepfake-Vorwürfen
Theo SchmitzGericht stoppt Spiegel-Bericht zu Christian Ulmen und Deepfake-Vorwürfen
Das Hanseatische Oberlandesgericht hat in einem viel beachteten Deepfake-Fall eine einstweilige Verfügung gegen Der Spiegel erlassen. Das Urteil untersagt dem Magazin, bestimmte Vorwürfe gegen den Schauspieler Christian Ulmen in Verbindung mit KI-generierter Fake-Pornografie zu veröffentlichen. Die Entscheidung folgt auf einen Rechtsstreit, der begann, nachdem Ulmen die Redaktion im April verklagt hatte.
Mitte März hatte Der Spiegel erstmals berichtet, die Schauspielerin Collien Fernandes werfe Ulmen vor, mit KI erstellte Videos mit ihrem Gesicht produziert und verbreitet zu haben. Zudem behauptete sie, er habe gefälschte Social-Media-Profile unter ihrem Namen angelegt. Das Landgericht Hamburg hatte im Mai zunächst entschieden, dass die Berichterstattung des Magazins zulässig sei.
Das Oberlandesgericht hat Teile dieses Urteils nun aufgehoben. Es sah keine ausreichenden Beweise für die Deepfake-Vorwürfe und verbot Der Spiegel, diese zu wiederholen. Zudem darf das Magazin keine Zitate aus einer 50 Jahre alten E-Mail veröffentlichen, die Ulmen an seinen Anwalt geschickt hatte – das Gericht stuft diese als Teil seines Privatlebens ein. Die Redaktion bleibt jedoch berechtigt, über Fernandes’ separate Vorwürfe körperlicher Gewalt zu berichten.
Der Fall hat eine breitere politische Debatte ausgelöst. SPD-Chefin Bärbel Bas und die ehemalige Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang fordern schärfere KI-Regulierungen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) setzt sich für eine Pflicht zur Klarnamennutzung im Internet ein. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte an, das Strafrecht gegen nicht einvernehmliche sexualisierte Deepfakes und „digitale sexualisierte Gewalt“ zu verschärfen.
Das Gerichtsurteil schränkt Der Spiegel in der Veröffentlichung konkreter Behauptungen zu Ulmen und dem Deepfake-Skandal ein. Die Entscheidung unterstreicht die rechtlichen Herausforderungen im Umgang mit KI-Missbrauch und Privatsphäre. Gleichzeitig drängen Politiker auf neue Gesetze, um die wachsende Problematik digitaler sexualisierter Gewalt einzudämmen.






