Entwicklungshilfe im Umbruch: NGOs fordern radikale Reformen von Alabali-Radovan
Hannah BrandtEntwicklungshilfe im Umbruch: NGOs fordern radikale Reformen von Alabali-Radovan
Die Generalsekretär:innen von Welthungerhilfe und Terre des Hommes, Mathias Mogge und Joshua Hofert, stellten am Mittwoch ihre jährliche Bewertung der deutschen Entwicklungspolitik vor. Sie forderten erhebliche Änderungen, um sicherzustellen, dass die Hilfe wirksam und bedarfsorientiert bleibt.
Mogge und Hofert begrüßten zwar die Pläne der Bundesregierung, die Entwicklungspolitik neu auszurichten, kritisierten jedoch, dass den Reformvorschlägen von Ministerin Reem Alabali-Radovan eine klare Strategie fehle. Die Nichtregierungsorganisationen betonten, dass die Reform kein von Berlin aus gesteuerter Top-down-Prozess sein dürfe, sondern von Anfang an Partnerländer, lokale Zivilgesellschaft und junge Menschen aktiv einbeziehen müsse.
In ihrem gemeinsamen Bericht wiesen die Organisationen auf den wachsenden Druck hin, dem die Entwicklungspolitik durch Krisen, Kriege und den Klimawandel ausgesetzt ist. Sie forderten eine Erhöhung der Mittel für humanitäre Hilfe von einer auf 2,8 Milliarden Euro im nächsten Bundeshaushalt. Mogge unterstrich, dass es nicht nur um reaktive Maßnahmen gehe, sondern um präventive Ausgaben.
Mogge betonte zudem, dass die Reform die Qualität der Hilfe in den Vordergrund stellen müsse – durch weniger Bürokratie und vereinfachte Verfahren. Er forderte mehr Autonomie für zivilgesellschaftliche Organisationen. Beide Spitzenvertreter bestanden darauf, dass die Hilfe neutral, unabhängig und ausschließlich am Bedarf orientiert sein müsse – und nicht an Sicherheits-, Migrations- oder geopolitischen Interessen geknüpft werden dürfe.
Die NGOs riefen die Bundesregierung außerdem dazu auf, die Spannungen zwischen den eigenen wirtschaftlichen Interessen und denen der Partnerländer zu adressieren. Sie betonten, dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Zivilgesellschaft in die Gestaltung der Reformen einbinden müsse, um Transparenz und Wirksamkeit zu gewährleisten.
Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit eines inklusiveren und effizienteren Ansatzes in der Entwicklungszusammenarbeit. Die vorgeschlagene Mittelaufstockung und die strukturellen Reformen zielen darauf ab, die deutsche Hilfe besser auf globale Herausforderungen auszurichten. Erwartet wird, dass die Regierung diese Empfehlungen in ihre anstehenden politischen Entscheidungen einbezieht.
