Energiepolitik unter Druck: Wie Deutschland nach dem Iran-Angriff um seine Versorgung kämpft
Hannah Brandt100 Jahre Energiepreisschocks: Eine kurze Geschichte der deutschen Energiepolitik - Energiepolitik unter Druck: Wie Deutschland nach dem Iran-Angriff um seine Versorgung kämpft
Deutschlands Energiepolitik gerät nach US-israelischem Angriff auf Iran erneut unter Druck
Die jüngsten Luftangriffe der USA und Israels auf den Iran haben die Hoffnungen auf stabiles Wirtschaftswachstum zunichtegemacht – und rücken Deutschlands Energiepolitik erneut in den Fokus der Kritik. Die Krise zwingt die Regierung in den Krisenmodus und legt langjährige Schwächen bei der Sicherung der Energieversorgung schonungslos offen. Experten warnen: Ohne klare Strategie droht Deutschland, alte Fehler zu wiederholen – und auf Schocks nur zu reagieren, statt sie zu verhindern.
Seit dem Zweiten Weltkrieg hat Deutschland seine Energiepolitik immer wieder an globale Umbrüche angepasst. In den 1970er-Jahren führte die Abhängigkeit von Nahost-Öl zu schweren Engpässen, woraufhin das Land auf Atomkraft und strategische Reserven setzte. Bis 2022 verlagerte sich die Abhängigkeit auf russisches Gas, das vor dem Ukraine-Krieg noch 55 Prozent der Importe ausmachte – bis der plötzliche Kurswechsel kam. Heute bezieht Deutschland verflüssigtes Erdgas (LNG) aus Norwegen, den USA und Katar, während der Ausbau erneuerbarer Energien voranschreitet, die bis 2025 voraussichtlich 23,8 Prozent des Endenergieverbrauchs decken sollen.
Doch die Verwundbarkeiten bleiben. Fossile Brennstoffe dominieren weiterhin mit einem Anteil von 75 Prozent am Gesamtenergieverbrauch. Kritiker verweisen auf die hohen Kosten und die unvollendete Unabhängigkeit des aktuellen Wandels. Frühere Krisen wie der Ölschock 1973 zeigten zwar, dass Notlagen Fortschritt beschleunigen können – damals folgten Atomausbau und Diversifizierung. Doch kurzfristige Lösungen, um öffentlichen Protest zu besänftigen oder Industrien zu schützen, überdecken oft tiefere strukturelle Mängel.
Der jüngste Preisschock hat die bekannten Probleme wieder verschärft. Fabriken stehen vor Schließungen, Arbeitsplätze sind bedroht, und Verbraucher protestieren gegen explodierende Rechnungen. Zwar verringert die Streuung der Bezugsquellen das Risiko – doch Abhängigkeiten werden damit nicht beseitigt, sondern nur verlagert. Energiepolitik, betonen Analysten, lasse sich nicht von Außen- und Sicherheitspolitik trennen, denn wer die Versorgung kontrolliert, hält auch Hebel über Deutschlands Stabilität in der Hand.
Die aktuelle Krise offenbart einmal mehr die Brüchigkeit der deutschen Energiestrategie. Fehlt ein langfristiger Plan, wird sich der Kreislauf aus Reaktion und kurzfristiger Entlastung wiederholen – und das Land dem nächsten unvermeidlichen Schock schutzlos ausgeliefert sein. Derzeit konzentriert sich die Politik auf Schadensbegrenzung: Industrieabschaltungen verhindern, die Wut der Bevölkerung dämpfen und gleichzeitig nach einem widerstandsfähigeren Weg für die Zukunft suchen.






