EMAF in Osnabrück: Warum ein palästinensischer Kurzfilm die Politik spaltet
Greta KochEMAF in Osnabrück: Warum ein palästinensischer Kurzfilm die Politik spaltet
Europäisches Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück: Streit um Film einer palästinensischen Künstlerin entfacht Debatte
Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück hat mit seiner Entscheidung, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Samah Al-Sharif zu zeigen, eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Im Mittelpunkt steht dabei nicht ihr künstlerisches Werk, sondern ihre politischen Äußerungen in den sozialen Medien – darunter ein Halloween-Post, in dem sie sich als Symbol der Hamas verkleidet hatte. Unterdessen widmet sich das übergeordnete Festivalthema Eine unvollendete Versammlung der künstlerischen Freiheit und ihren Grenzen.
Die Auseinandersetzung veranlasste Niedersachsens Ministerpräsidenten Olaf Lies (SPD), seine Schirmherrschaft zurückzuziehen, während lokale Politiker Vorbehalte gegen die Aufnahme von Al-Sharifs Beitrag äußerten.
Die Präsentation ihres Kurzfilms Morning Circle sorgt vor allem wegen ihrer Online-Aktivitäten für Kritik. Ein Beitrag zeigt sie in einem Kostüm, das an das Dreieck-Symbol der Hamas erinnert – ein Detail, das Gegner als Unterstützung für die Organisation werten. Zwar gibt es unterschiedliche Deutungen, doch die Kontroverse hat den Film selbst in den Hintergrund gedrängt.
Al-Sharif sieht sich zudem Vorwürfen des Antisemitismus und Verbindungen zur Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionen-Bewegung (BDS) ausgesetzt. Die 2005 von palästinensischen zivilgesellschaftlichen Gruppen ins Leben gerufene Kampagne fordert wirtschaftlichen und politischen Druck auf Israel, etwa wegen der Besetzung palästinensischer Gebiete und der Flüchtlingsfrage. Weltweit – auch in Deutschland – gewinnt BDS an Einfluss, etwa durch studentische Initiativen wie an der Hertie School of Governance, die trotz rechtlicher und politischer Gegenwehr Unterstützung findet.
Kritiker werfen BDS vor, antisemitische und israelfeindliche Stimmungen zu schüren, insbesondere an Universitäten und im Netz. Deutsche Behörden reagieren mit Repressionen, wobei die rechtlichen Grundlagen oft unklar bleiben. Das EMAF hingegen hat eine Tradition, palästinensische Künstler:innen einzubinden, ohne dabei jüdische oder israelische Stimmen in seinem Programm zu vernachlässigen.
Die Landesregierung betont, sie respektiere die kuratorische Unabhängigkeit des Festivals, lehne Antisemitismus jedoch entschieden ab. Osnabrücks Kulturdezernentin gab zu, man hätte sich gewünscht, Al-Sharifs Beitrag wäre nicht Teil der Auswahl gewesen. Der Schriftsteller Thomas Groß hingegen argumentiert, dass das Unterdrücken palästinensischer Perspektiven unter dem Deckmantel der Antisemitismusbekämpfung kaum zum Frieden im Nahen Osten beitrage.
Mit dem Rückzug von Lies' Schirmherrschaft setzt die Politik ein deutliches Zeichen gegen die Festivalentscheidung. Das EMAF verteidigt weiterhin sein Programm und stellt die Debatte in den Kontext einer größeren Diskussion über künstlerische Freiheit. Vorerst bleibt Al-Sharifs Film im Programm – und mit ihm die Kontroverse sowie die Fragen, die sie aufwirft.






