Berlin oder Bonn? Warum die doppelten Regierungsstandorte Millionen kosten
Hannah BrandtMehr als 10 Millionen Euro für die Berlin-Bonn-Teilung - Berlin oder Bonn? Warum die doppelten Regierungsstandorte Millionen kosten
Die deutsche Bundesregierung gab im vergangenen Jahr mehr als 10,3 Millionen Euro aus, um die geteilten Regierungsstandorte in Berlin und Bonn aufrechtzuerhalten. Dies entspricht einem Anstieg von 1,2 Millionen Euro im Vergleich zu 2022. Die anhaltende Aufteilung geht auf ein jahrzehntealtes Abkommen zurück, doch die Kosten und Personalentwicklungen verlagern sich zunehmend zugunsten der Hauptstadt.
Bonn diente einst von 1949 bis 1973 als provisorischer Regierungssitz der Bundesrepublik und anschließend bis zur Wiedervereinigung 1990 als offizielle Hauptstadt. Nach der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin einigte man sich auf einen Kompromiss: Das Berlin/Bonn-Gesetz legte fest, dass sechs der 16 Bundesministerien ihre Hauptdienststellen in Bonn behalten sollten, während die übrigen zehn ihren Sitz in Berlin haben, aber Zweigstellen in der ehemaligen Hauptstadt unterhalten würden.
Im Jahr 2023 arbeitete nur noch jeder vierte Beschäftigte der Bundesministerien in Bonn – ein kontinuierlicher Rückgang der Mitarbeiterzahlen. Der Großteil der Ausgaben des vergangenen Jahres in Höhe von über 5,9 Millionen Euro entfiel auf Dienstreisen, was einem Anstieg von 15,3 Prozent gegenüber 2022 entspricht. Als Gründe für diesen Anstieg nannte die Regierung die Zunahme von Dienstfahrten nach Lockerung der COVID-19-Beschränkungen sowie gestiegene Kosten für Bahnfahrten und Hotelübernachtungen.
Befürworter argumentieren, dass die Beibehaltung Bonns als Bundesstadt dessen Rolle als UN-Standort stärkt und internationale Verbindungen aufrechterhält. Kritiker wie Dietmar Bartsch von der Linken fordern hingegen ein Ende der Doppellösung und verweisen auf unnötige Kosten und Ineffizienz.
Die Aufteilung zwischen Berlin und Bonn belastet die Steuerzahler weiterhin mit Millionenausgaben pro Jahr. Angesichts steigender Reisekosten und sinkender Mitarbeiterzahlen in Bonn gerät die langfristige Zukunft dieser Regelung zunehmend in die Diskussion. Bisher hat die Regierung jedoch keine Änderungen am bestehenden System angekündigt.






