09 May 2026, 12:16

AfD-Politiker Tillschneider stellt deutsche Nachkriegsgeschichte infrage – und löst Empörung aus

Buch mit dem Titel 'Deutsches Kolonial-Feitung' vom 11/1940, das Adolf Hitler auf dem Cover zeigt, in den Händen einer Person umgeben von anderen mit Mützen.

AfD-Politiker Tillschneider stellt deutsche Nachkriegsgeschichte infrage – und löst Empörung aus

Ein führender AfD-Politiker hat mit infrage gestellten Darstellungen der deutschen Nachkriegsgeschichte für Aufsehen gesorgt. Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, hielt eine Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Seine Äußerungen stellten die seit Langem etablierten Ansichten zu Schuld, Erinnerung und nationaler Identität in Frage.

Tillschneider erkannte in seiner Ansprache zwar die Befreiung von der NS-Herrschaft an, bezeichnete die totale militärische Niederlage Deutschlands jedoch als „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“. Er argumentierte, das historische Verständnis der Nachkriegszeit sei von einer „absurden Schuldkultur“ und einer „imaginären Kollektivschuld“ geprägt worden.

Der AfD-Politiker wies die berühmte Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985 als eine „geistige Kapitulation“ zurück. Stattdessen zitierte er Franz Josef Strauß, der einst die „ewige Vergangenheitsbewältigung als eine dauernde Buße“ bezeichnet hatte. Tillschneider forderte eine „normale deutsche Identität“, frei von dem, was er als übertriebene Selbstanklage empfindet.

Zudem behauptete er, die Deutschen hätten sich im Nachhinein auf die Seite der alliierten Sieger gestellt, um dem Schuldgefühl zu entgehen. Seiner Meinung nach sei die Identifikation mit den Werten der Befreier ein Akt der Vermeidung gewesen. Tillschneider deutete außerdem an, dass nicht eine breite gesellschaftliche Unterstützung, sondern vielmehr das Versagen der Führungselite die eigentliche Ursache für die NS-Verbrechen gewesen sei.

Kritiker reagierten umgehend und warfen der AfD in Sachsen-Anhalt vor, aus der Geschichte nicht gelernt zu haben. Die Haltung der Partei werde als intellektuell isoliert und im Widerspruch zum etablierten historischen Konsens Deutschlands beschrieben.

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Tillschneiders Rede hat die Debatte über das deutsche Verhältnis zur eigenen Vergangenheit neu entfacht. Seine Ablehnung der Kollektivschuld und die Kritik an den Nachkriegsnarrativen stellen ihn in direkten Gegensatz zu den vorherrschenden politischen und akademischen Positionen. Die Äußerungen unterstreichen zudem die anhaltenden Bemühungen der AfD, das historische Gedächtnis im Sinne ihrer nationalistischen Agenda umzudeuten.

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