200-Milliarden-Sondervermögen für Klima: Warum das Geld ungenutzt bleibt und Vertrauen schwindet
Theo Schmitz200-Milliarden-Sondervermögen für Klima: Warum das Geld ungenutzt bleibt und Vertrauen schwindet
200-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität: Kritik an Missbrauch und Ineffizienz
Ein 200-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität steht wegen Missbrauchs und mangelnder Effizienz in der scharfen Kritik. Obwohl der Fonds dringende Projekte vorantreiben sollte, liegt das meiste Geld weiterhin ungenutzt, während wichtige Investitionen in Verkehr und Krankenhäuser auf der Strecke bleiben. Die grüne Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta, Mitglied im Haushaltsausschuss, räumt nun ein, sie hätte dem Fonds nicht zugestimmt, wenn sie gewusst hätte, wie er gehandhabt werden würde.
Eigentlich sollte das Sondervermögen klimafreundliche Infrastruktur beschleunigen. Doch bis zum vergangenen Jahr blieben laut ifo Institut und Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung zwischen 86 und 95 Prozent der Mittel für neue Investitionen ungenutzt. Stattdessen definierte Finanzminister Lars Klingbeil "zusätzliche" Ausgaben um und schob 20 Milliarden Euro aus der Schuldenaufnahme in Projekte um, die ohnehin bereits im regulären Haushalt vorgesehen waren. Dazu zählte auch die Verlagerung von Mitteln für die Schienennetz-Instandhaltung vom Kernhaushalt in den Sonderfonds – ohne dass die tatsächlichen Investitionen stiegen.
Unterdessen fehlt für 73 "spatenfertige" Schienenprojekte, darunter fünf zentrale Vorhaben wie die Verbindung Mitteldeutschland, weiterhin die Finanzierung. Im Verkehrsbudget 2025 liegt die Investitionsquote bei nur noch 8,7 Prozent – ein Rückgang gegenüber 10,8 Prozent im Vorjahr. Das Finanzministerium versuchte zudem, dringende Straßenreparaturen bis 2025 zu verschieben, was zu Ausschreibungsengpässen und höheren Kosten führen könnte.
Ein weiterer Fehlgriff zeigte sich, als 4 Milliarden Euro, die eigentlich für die Krankenhausmodernisierung vorgesehen waren, fälschlich als "sofortige Transformationkosten" deklariert und rückwirkend als Subventionen ausgezahlt wurden. Piechotta, Ärztin und verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, bedauert, dass der Fonds das Vertrauen der Öffentlichkeit untergräbt. Die mangelhafte Verwaltung habe das Vertrauen in politische Entscheidungsprozesse erschüttert, so die Abgeordnete.
Die Pannen beim Sondervermögen lassen kritische Infrastrukturprojekte – von Schienenausbau bis Straßeninstandsetzung – in der Schwebe. Da das meiste Geld unangetastet blieb oder für bestehende Pläne umgewidmet wurde, wächst der Druck auf die Regierung, die Finanzierungslücken zu schließen. Eine interne Überprüfung der Grünen betont die Notwendigkeit strengerer Kontrollen, um ähnliche Fehler bei künftigen Förderprogrammen zu vermeiden.






