RAW-Gelände in Berlin: Kulturelles Erbe zwischen Räumungsdrohung und Investorenstreit
Theo SchmitzRAW-Gelände in Berlin: Kulturelles Erbe zwischen Räumungsdrohung und Investorenstreit
Das RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain bleibt ein lebendiger Treffpunkt – erst kürzlich versammelten sich hier wieder Menschen zu einer öffentlichen Fußball-Übertragung. Doch nach Jahren zäher Verhandlungen zwischen Eigentümer und Bezirk steht seine Zukunft nun auf dem Spiel.
Die Kurth Group erwarb das Areal 2015 und ringt seitdem um einen Ausgleich zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und dem Erhalt seiner subkulturellen Wurzeln. Ein 2022 ausgehandelter Kompromiss sollte das „kulturelle L“, einen Gebäudekomplex mit besonderer Bedeutung, schützen – doch er trat nie in Kraft. 2023 wurden die Gespräche wiederaufgenommen, und im Mai schien eine Einigung greifbar, doch auch diesmal scheiterte die Finalisierung.
2024 zog sich die Kurth Group schließlich aus den Verhandlungen zurück und setzt stattdessen auf lukrativere Wohnbauprojekte. Das Unternehmen erklärte das Planungsverfahren für gescheitert und warf dem Bezirk vor, mit seinem Rahmenvertrag nur die Interessen Berlins zu bedienen. Ohne die Mitwirkung des Bezirks kann der Investor seine Pläne nicht umsetzen.
Nun droht mehreren Projekten, darunter dem Club Cassiopeia, die Räumung. Geschäftsführer Florian Falkenhagen wurde mündlich aufgefordert, die Räumlichkeiten bis Monatsende zu verlassen.
Nach fast elf Jahren Diskussionen ist die langfristige Zukunft des Geländes ungewiss. Die Entscheidung des Eigentümers, die Gespräche abzubrechen, setzt kulturelle Orte wie die Cassiopeia unter Druck. Der Bezirk bleibt der entscheidende Akteur, der darüber bestimmt, ob das subkulturelle Erbe des RAW-Geländes überleben kann.






