«No Body Fits» feiert rauschende Premiere mit genderfluidem Identitätsdrama in Berlin
Theo Schmitz«No Body Fits» feiert rauschende Premiere mit genderfluidem Identitätsdrama in Berlin
Premierenabend in Berlin: No Body Fits feiert ausverkaufte Vorstellung in der Vaganten Bühne
Ein ausverkauftes Publikum versammelte sich in Berlins Vaganten Bühne in Charlottenburg zur Uraufführung von No Body Fits, der Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Debütroman. Das Stück begleitet Kim, eine genderfluide Protagonist:in, auf der Suche nach Familiengeheimnissen und der Auseinandersetzung mit transgenerationalem Trauma – alles im Schatten einer Blutbuche.
Die Handlung setzt ein, als Kims Großmutter an Demenz erkrankt, ein Wendepunkt, der sie dazu bringt, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Ihre Spurensuche führt sie zu einer Blutbuche, die einst ihr Urgroßvater gepflanzt hat – ein Ort, an dem sie Geborgenheit und Verwurzelung findet. Doch unter ihren Blättern verbergen sich die unausgesprochenen Geschichten einer mütterlichen Blutlinie, deren Traumata über Generationen hinweg im Schweigen weitergegeben wurden.
Auf der Bühne wird Kims Weg von drei Schauspieler:innen verkörpert: Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger. Sie inszenieren Kims ruhelose Identitätssuche – von flüchtigen, gefühllosen Begegnungen auf Grindr bis hin zum schmerzhaften Kampf, das ererbte Schamgefühl zu durchbrechen. Das Bühnenbild spiegelt diese Spannung wider: zerrissene, beige Strumpfhosen hängen von der Decke, beschwert mit Sand und Bällen – ein visuelles Symbol für ungelöste Lasten.
Der Höhepunkt des Stücks zeigt die drei Darsteller:innen, wie sie symbolisch das "Große Meer" zur Ruhe betten – eine Metapher für das Schweigen, das einst ihre Ahnen erstickte. Wo frühere Generationen scheiterten, verwandelt Kims Geschichte Scham in Selbstakzeptanz und definiert neu, was es bedeutet, in einem genderfluiden Körper zu existieren.
Kim de l'Horizons Roman schrieb bereits 2022 Geschichte, als er sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis gewann. Nun erweitert die Bühnenfassung seine Reichweite und macht die persönliche Aufarbeitung zu einem geteilten Erlebnis. Die ausverkaufte Premiere markiert einen weiteren Schritt in der Reise dieser Geschichte – einer Geschichte, die sich weigert, die Vergangenheit begraben zu lassen.






