Neues Online-Portal enthüllt historische Dokumente zu rechtsextremen Strömungen in Deutschland
Hannah BrandtNeues Online-Portal enthüllt historische Dokumente zu rechtsextremen Strömungen in Deutschland
Ein neues Online-Portal ist gestartet, das kostenlosen Zugang zu historischen Dokumenten über rechtsextreme Strömungen in Deutschland bietet. Die Sammlung umfasst den Zeitraum von 1945 bis 2000 und enthält Propagandamaterial, gewaltverherrlichende Rhetorik sowie gezielte Ansprachen an junge Zielgruppen. Forscher:innen, Lehrkräfte und die interessierte Öffentlichkeit können diese Quellen nun unter radikale-rechte.de einsehen.
Das Portal präsentiert Propagandatexte, direkte Aufrufe zu Gewalt und Materialien, die darauf abzielen, jüngere Generationen zu beeinflussen. Über 30 Expert:innen haben die Dokumente analysiert und mit historischen Kontexten versehen. Die wissenschaftliche Leitung obliegt Prof. Dr. Frank Bösch und Prof. Dr. Gideon Botsch, die für die fachliche Fundierung des Projekts sorgen.
Die Unterlagen zeigen, wie sich die Strategien der rechtsextremen Szene im Laufe der Zeit gewandelt haben. In den 1990er-Jahren verherrlichten extremistische Propagandamaterialien oft NS-Ideologien und hetzten zu direkter fremdenfeindlicher Gewalt – insbesondere gegen Geflüchtete nach der deutschen Wiedervereinigung. Ab den 2010er-Jahren wurden die Methoden subtiler: Verschlüsselte Begriffe wie die "Große-Ersetzung"-Theorie hielten Einzug. Solche Narrative verbreiteten sich über den öffentlichen Diskurs, begünstigt durch digitale Netzwerke und Migrationsdebatten.
Aktuelle Entwicklungen belegen, dass sich extremistische Rhetorik zunehmend mit breiten politischen Diskussionen vermischt – etwa in antimigratorischen Kampagnen oder antisemitischen Erzählungen nach den Ereignissen vom 7. Oktober 2023. Das Portal macht deutlich, wie Parteien wie die AfD oder identitäre Gruppen heute Online-Plattformen nutzen, um größere Zielgruppen zu erreichen. Anders als der offene Extremismus vergangener Jahrzehnte erscheinen die heutigen Strategien oft als normalisierter Populismus.
Das Portal dient als Ressource für Schulen, Forschungseinrichtungen und politische Bildungsarbeit. Durch die Dokumentation der Entwicklung rechtsextremer Strömungen bietet es Werkzeuge, um historische Muster und aktuelle Trends zu verstehen. Alle Materialien stehen unter radikale-rechte.de zur Verfügung.






