Hessens Apotheker-Rentner wehren sich gegen umstrittene 40-Euro-Gebühr
Hannah BrandtHessens Apotheker-Rentner wehren sich gegen umstrittene 40-Euro-Gebühr
Die Landesapothekerkammer Hessen (LAK) erhebt von Rentnern eine vierteljährliche Gebühr von 40 Euro – doch die Einnahme gestaltet sich schwieriger als gedacht. Unter dem Codenamen Aktion Abendsonne leitet Abteilungssprecher Friedrich Geerth die Maßnahme. Besonders ein entschlossener Ruheständler macht den Behörden zu schaffen.
Die neue Abgabe hat landesweit Protest ausgelöst. Fast 25.000 Apotheker demonstrierten in Düsseldorf, Berlin, Hannover und München. Viele empören sich über die Ungerechtigkeit: Warum sollen sie zahlen, wenn sie längst nicht mehr arbeiten?
Die LAK versucht mit einer Service-Offensive gegenzusteuern und bietet Vergünstigungen wie VHS-Kurse, Aqua-Fitness oder ermäßigte Senioren-Tickets für den Nahverkehr an. Doch einige Rentner lassen sich nicht besänftigen. Dr. Roswitha Hinkebein, seit 1972 approbierte Apothekerin, weicht seit Tagen Leon-Luca Wagner-Neumann aus – dem Mitarbeiter, der ihre Gebühr kassieren soll. Statt sich zu stellen, besuchte sie Gymnastik am Morgen, ging in eine Apotheke, shoppte auf dem Wochenmarkt, nahm an einem Kochkurs teil und schloss sich einer Seniorenveranstaltung an – stets mit dem Ziel, den Gebühreneintreiber zu umgehen.
Auch telefonische Versuche scheitern: Viele ältere Apotheker gehen nicht ans Telefon oder kämpfen mit veralteter Technik. Unterdessen muss Hessen erst noch ermitteln, wo sich alle Rentner aufhalten, bevor sie überhaupt Mahnungen verschicken kann. Die Debatte kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Am Montag will der Gesundheitsfinanzausschuss milliardenschwere Einsparungen im Gesundheitswesen verkünden – die Kürzungen dürften sich auf zehntausende Stellen belaufen.
KBV-Chef warnt vor Folgen für Patienten Dr. Andreas Gassen, Vorsitzender des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (KBV), warnt bereits: "Geringere Honorare führen zu weniger Arztterminen." Doch von einer Entspannung ist die Lage weit entfernt.
Die 40-Euro-Gebühr bleibt zwar bestehen – doch ihre Durchsetzung stockt. Rentner wie Dr. Hinkebein weigern sich weiterhin, zu zahlen. Mit anhaltenden Protesten und drohenden Kürzungen im Gesundheitssektor könnte der Streit um die Finanzierung noch eskalieren.






