Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende antifeministische Angriffe in Deutschland
Hannah BrandtGleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende antifeministische Angriffe in Deutschland
Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich wachsender Feindseligkeit ausgesetzt
In Deutschland nehmen antifeministische Angriffe zu – und damit auch die Anfeindungen gegen Gleichstellungsbeauftragte. Wie ein aktueller Bericht zeigt, haben mehr als 60 Prozent dieser Beauftragten in den vergangenen zwei Jahren gezielte Aggressionen erlebt. Die Zunahme der Vorfälle fällt zusammen mit einer breiteren Gegenbewegung gegen Gleichstellungsinitiativen, zu der auch die Beschädigung öffentlicher Installationen gehört, die sich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen.
Allein im Jahr 2024 verzeichnete die Meldestelle Antifeminismus 558 Vorfälle – im Schnitt fast zehn pro Woche. Die Angriffe reichen von Vandalismus und Budgetkürzungen bis hin zu offener Einschüchterung. Eine Beauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, dass nach einem öffentlichen Statement zu einem umstrittenen Thema Rechtsextreme vor ihrer Haustür aufgetaucht seien.
Doch das Problem beschränkt sich nicht auf direkte Drohungen. Viele Gleichstellungsbeauftragte berichten von systematischer Untergrabung ihrer Arbeit – 40 Prozent waren in den letzten zwei Jahren wiederholt betroffen. Gleichzeitig gewinnt der Antifeminismus, eine politische Bewegung, die sich gegen sexuelle Selbstbestimmung und Vielfalt richtet, weiter an Einfluss. Judith Rahner, Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, warnt, dass dessen Wirkungskreis längst über rechtsextreme Kreise hinausreicht.
Auch öffentliche Symbole für Gleichstellung geraten ins Visier. So wurden in Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler orangefarbene Bänke beschädigt – Teil der UN-Kampagne „Orange the World“ gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Trotz des Gegenwinds bleiben Aktivistinnen und Aktivisten standhaft. Beim Kongress der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) in Lübeck trafen sich 70 Gleichstellungsbeauftragte unter dem Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“, um Strategien zum Ausbau von Netzwerken und Bündnissen auszutauschen.
Die eskalierenden Angriffe zeigen die Herausforderungen, vor denen diejenigen stehen, die sich für Gleichstellung einsetzen. Angesichts steigender Vorfälle und unter Druck geratener Unterstützungsstrukturen setzen die Beauftragten zunehmend auf kollektives Handeln. Die anhaltenden Bedrohungen deuten auf einen langfristigen Kampf um Gleichstellungsinitiativen im gesamten Land hin.






