Felbermayrs radikale Rentenreform: Später in Pension, weniger Beamte, Inflationsbindung
Theo SchmitzFelbermayrs radikale Rentenreform: Später in Pension, weniger Beamte, Inflationsbindung
Gabriel Felbermayr, einer der fünf „Wirtschaftsweisen“ Deutschlands, hat weitreichende Reformen des Rentensystems vorgeschlagen. Seine Ideen kommen kurz vor der für Dienstag erwarteten Veröffentlichung des Berichts der Rentenkommission der Bundesregierung.
Felbermayr plädiert dafür, das Renteneintrittsalter schrittweise an die steigende Lebenserwartung anzupassen. Konkreter schlägt er vor, dass für jedes zusätzliche Jahr an durchschnittlicher Lebenserwartung auch das Renteneintrittsalter um einen Anteil dieses Zeitraums steigen sollte. Zudem empfiehlt er, die jährliche Rentenanpassung künftig an die Inflation statt an die Lohnentwicklung zu koppeln. Da Löhne in der Regel stärker stiegen als die Preise, würde dies die Kosten dämpfen, so seine Argumentation.
Kritik übt Felbermayr an der hohen Zahl verbeamteter Beschäftigter in Deutschland. Dies schaffe eine gesellschaftliche Spaltung und schwäche den Reformwillen, meint er. Als Lösung schlägt er vor, sich am österreichischen Modell zu orientieren und die Zahl der Beamtenstellen deutlich zu reduzieren. Nur in zentralen Funktionen – etwa bei Polizisten oder Richtern – solle der Beamtenstatus erhalten bleiben.
Die Forderung, Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzugliedern, weist Felbermayr zurück. Dies lenke nur von den eigentlichen Problemen ab, so der Ökonom. Viele OECD-Länder hätten das Renteneintrittsalter bereits an die Lebenserwartung geknüpft – ein Modell, das er auch für Deutschland empfiehlt.
Ziel seiner Vorschläge ist es, das Rentensystem langfristig zu stabilisieren, die Ausgaben im öffentlichen Sektor zu senken und Fragen der Gerechtigkeit zu adressieren. Ob die anstehende Regierungskommission einige dieser Ideen aufgreift, bleibt abzuwarten.






