Betriebliche Altersvorsorge: Lohnt sich der Rentenkompromiss mit Abstrichen?
Theo SchmitzBetriebliche Altersvorsorge: Lohnt sich der Rentenkompromiss mit Abstrichen?
Rund 19,49 Millionen Menschen in Deutschland besitzen derzeit eine betriebliche Altersvorsorge. Zwar bieten diese Modelle eine Möglichkeit, für den Ruhestand vorzusorgen, doch gehen sie mit finanziellen Abstrichen und strengen Regelungen einher. Arbeitnehmer, die über eine Gehaltsumwandlung einzahlen, müssen später mit gekürzten gesetzlichen Rentenleistungen rechnen.
Seit 2020 gibt es einen steuerfreien Zuschuss für die Krankenversicherungsbeiträge auf Betriebsrenten. Bis 2026 steigt dieser Freibetrag auf 197,75 Euro pro Monat. Dennoch zahlen die Bezieher weiterhin die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung – sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil.
Die Auszahlungen aus der betrieblichen Altersvorsorge im Ruhestand unterliegen in voller Höhe der individuellen Einkommensteuer. Ein weiterer Nachteil ist die fehlende Kontrolle über die Geldanlage während der Ansparphase: Die Mittel werden ohne Mitsprache des Arbeitnehmers verwaltet, und der Vertrag lässt sich – von seltenen Ausnahmefällen abgesehen – weder kündigen, verkaufen noch vorzeitig auflösen.
Für Arbeitnehmer, die den Job wechseln, kann die Weiterführung der betrieblichen Altersvorsorge kompliziert werden. Bei einer Beschäftigungsdauer von weniger als drei Jahren können Gebühren anfallen, und die Arbeitgeberzuschüsse könnten verfallen. Wer über 30 Jahre hinweg monatlich 180 Euro per Gehaltsumwandlung einzahlt, riskiert eine Kürzung der gesetzlichen Rente von etwa 40 Euro pro Monat.
Eine Alternative, wie etwa die eigenständige Anlage in einen breit gestreuten ETF-Sparplan, hat historisch gesehen höhere Renditen eingebracht. Zudem bietet sie mehr Flexibilität und Kontrolle über die Gelder.
Die betriebliche Altersvorsorge bleibt in Deutschland ein verbreitetes Instrument für den Ruhestand – doch sie bringt finanzielle und bürokratische Einschränkungen mit sich. Arbeitnehmer müssen die Vorteile gegen mögliche Nachteile abwägen, darunter geringere gesetzliche Rentenansprüche und eingeschränkten Zugang zu den Geldern. Unabhängige Anlageformen könnten für diejenigen, die nach Alternativen suchen, höhere Erträge und mehr Spielraum bieten.






